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Transit (Ein Zyklus)

Transit entstand bereits 2014 und wurde erstmals auf dem Zebra Poetry Film Festival in Berlin gezeigt. In diesem Jahr findet das Festival vom 27. - 30. September im Schloßtheater in Münster statt.

Transit begann als Dialog. Ein Dialog mit Bildern von Neo Rauch, der sich in Gedichten niederschlug. Ein Zyklus entstand, der nach und nach immer mehr Personen mit einbezogen hat. Eine Durchreise, auf der immer neue Gegenden auftauchten, bis das Ganze zu einem Gesamtkunstwerk aus Musik, Text und Bildern geworden war.

Helmfried von Lüttichaus ruhige tiefe Stimme, trägt den Zyklus vor, Michael Zauners Illustrationen dominieren niemals die Bilder, die aus der Sprache entstehen, er nimmt sie vielmehr für seine eigenen Interpretationen auf, verbindet seine Zeichnungen mit den Sprachbildern und fügt dem Ganzen auf diese Weise eine weitere Dimension hinzu. Lothar Manteuffel schrieb die Musik, die nie den Ton angibt, aber dem Gesamtwerk einen nicht nur melancholischen sondern fast schon bedrohlichen Hintergrund verleiht, der wiederum sehr schön gebrochen wird durch die Stimme Julietta Fix, der Autorin, die immer wieder hell und klar eingeblendet wird.

Sehr gelungen erfüllt so jedes der einzelnen Elemente seinen Part in einem Gesamtkunstwerk, in dem der Text als Ausgangspunkt fungiert, dem Sprache, Musik und Bild zur Entfaltung verhelfen. 

Inhaltlich geht es um eine Reise, eine Durchreise, also nicht so sehr um das Ankommen, als vielmehr um das Unterwegssein, in Bewegung sein. So beginnt auch der Zyklus:

            „Was gestern geschah möchte kein Stein sein“

Man könnte das als Motto ansehen, als Ausgangspunkt der Reise dient der Versuch, die Vergangenheit ins Fließen zu bringen, sie als Blutkörperchen im Lebenskreislauf anzunehmen und zu integrieren. Daher auch immer wieder Kindheitserinnerungen, die aber nicht nur süß und hell, fröhlich und heiter sind, sondern den Konflikt stets spürbar machen, statt rührseliger Erinnerung spürt der Zuschauer vielmehr den Ausgangspunkt für das, was noch kommen wird. Mithin eine Kindheit, die bereits eine Ahnung an die Zerrissenheit der späteren Jahre beinhaltet. Die Musik selbst spielt häufig mit zwei Motiven, etwas hellem und leichten, das unter den schweren, latent bedrohlichen Tönen mitschwingt, und damit ein Gefühl vermittelt, für eine Kindheit, deren Unbeschwertheit von Anfang an bedroht ist. Blutkörperchen fügen sich wirbelnd zu den Kapitelüberschriften der einzelnen Teile des Zyklus, bevor sie sich zu Zellen verwandeln und schließlich zu einem gesichtslosen Menschen werden. Die Bilder gehen sanft ineinander über, aus Schienen werden Steuerräder, aus Bergen und Wolken ein Fährmann, Zeigefinger werden zu Messern, ein Punkt wird zum Auftrag. Alles schwimmt und fließt vorbei, bis im Abspann eine, wiederum gesichtslose, Frau, eine Mauer aufbaut, die einstürzt, sich auflöst in Rauch.

So fügt sich alles ineinander zu einem Lebensfilm, der sowohl persönlich, als auch allgemein ist, der sich aus unterschiedlichen Quellen speist und immer weiter fließt, immer wieder die Richtung ändert, immer auf der Suche nach einem neuen Stand. Punkt. (Elke Engelhardt für Fixpoetry)

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