Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Heilige Mechthild von Magdeburg,

du mächtige Kämpf’rin, was ist nur geworden aus dir?
Was hast du dich lange, vom Bräut’gam zu schreiben, geniert,
wo der Fürst u. die Dirne vereint sind wie Wasser u. Wein,
wo der Liebe gerecht niemals wird alle Züchtigungspein?

Ich hab’ es am liebsten, wenn du uns’rem Herren das Wort
in den Mund legst. Bereiben. Er bliebe ansonsten verbohrt.
Profanierung geht anders. Du bringst ihn ja schließlich zurück
auf die Beine, ins Bett, auf den Boden des irdischen Glücks.

Was ist schon dabei, wenn die Luströte steigt ins Gesicht,
wenn das Schamhaar zerreibt aneinander u./ o. es sticht?
Was ist schon dabei, es mal härter u. länger zu wollen,
wohin mit dem liebenden Willen zum Schmerze, dem vollen?

Als würde sich niemand verströmen u. niemand mehr knien,
zu beten, zu blasen, zu lecken, nicht eine:r ein Ziehen
verspüren im Bauch. Nein, die Liebe, sie wurde der Haut
Marginalie, ein günstig verzinstes Gefühl, wurde Staub.

(Anmerkungen: Dirne ist Mechthilds Bezeichnung für Seele. Die Begine wurde nie offiziell selig- oder heiliggesprochen. Als ihr Hauptwerk gilt Das fließende Licht der Gottheit.)

 

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