Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Transkript

ich schreibe, liebes tagebuch, ich schreibe, ave maria, ich schreibe mit dem mund, es war einmal eine frau. im märchen sagt man frauen eine nähe zum wasser nach. ich bemerke an mir eine nähe zum tier, in jeder ungeraden nacht kniet der wald an meinem bett, betet. man sagt, der wald sei ein wesen mit dem kopf einer löwin und einer schlange als schwanz, ich schreibe, da ist eine stumme geschichte auf der rückseite jeder geschichte. jeder meiner sätze hängt am phantom faden, jeder satz ist ein körper, in dem es nachts spuckt. ich weiß, dass das wasser antwortet, dass gott antwortet, sind unterstellungen, furcht denken. dass die hände zum arbeiten da sind oder zum zaubern und nichts dazwischen, agnus dei, ignis dei, nichts dazwischen. ich gebe zu, ich unterstelle dem wald, dass er in seiner mitte etwas versammelt, die mädchennamen toter mütter, sätze, die ich nicht zurücknehmen kann, körper in schleifen gefangen.

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serpentinen in körpern, wie was zurücknehmen,
sätze toter mütter, mädchennamen in der mitte des waldes gefangen,
lamm gottes, feuer zauber, nichts dazwischen. ich gebe zu, ich unterstelle
antworten, dass die hände zum fürchten da sind und jeder
körper ein wort, das sich nachts in seinen geist verkehrt. dass das wasser weiß,
was jede geschichte rückwärts auffädelt. stummes phantom
mit dem kopf einer löwin, ich schreibe da schlängelt
ein tier sich, ein gebet. da schweigt der wald über
die frauen, im märchen schweigen die frauen über das wasser,
ich bemerke ich schreibe mit dem mond, gegrüßet seist du maria.

 

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Wir haben Lyrikerinnen nach ihrer Handschrift gefragt und zeigen Ihnen in den nächsten Wochen Von Frauenhand mit links oder rechts geschriebene Texte, Gedichte, Memos zur Arbeit, Kritzeleien, Illustrationen und vieles mehr. Das wird heiter bis wolkig, ernst, unleserlich, handgreiflich, schönschriftlich, bissig,  und -  vor allen Dingen besonders. Vielen Dank allen Teilnehmerinnen.

 

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