Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

aufwachzeit

augen schlagen dem schlafenden tod ins gesicht.
sie sehen uhren in den gängen zwischen den sälen,
in denen die kranken körper sich öffnen. die grünen
gestalten sind mundlos und sprechen in formeln
atmender maschinen hinter den wänden. immer schneller
drehen blicke das ziffernblatt aus der zeit. die zahlen
lösen sich endlos aus den momenten, regnen als helles
licht die vorhänge auf die betten. hinter ihnen laufe ich
über die blühende wiese durch den schnee. und drehe
die arme, als wär ich ein kind, das aus meinen liegenden
körpern läuft, immer über die wiese mit drehenden armen
und liedern, die ich der uhr aus der hand rieseln lasse.
die frau mit der grünen stimme ruft, atme, mein kind atme,
sonst rollt dir das herz aus der brust, an die ich mich fasse
mit federarmen, sie fliegen die weißen blüten ins gras.
ich hör in der ferne traktoren und schweres gerät für den
winter. es flackern die decken der gänge. ich treibe
in worte. sie rufen mich ins freie hinaus. atme, mein kind,
vergiss nicht zu atmen. ich schlucke den schnee.

 

Aus: Andreas Altmann, Weg zwischen wechselnden Feldern, poetenladen Verlag Leipzig 2018

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