Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

der letzte tag des jahres

kolkraben schneiden mit ihren flügen
den wind auf, der in den rissen über das feld
zwischen den waldschluchten pfeift. schwarz
schweben ihre rufe durch tränende augen.
das jahr zieht seine fäden aus stoffen, die sich
wege gebahnt, und auf denen alte worte
der kindheit ausgeträumt haben. zwischen
den kieferspitzen wankt die aufgetrennte luft.
ich zähle die bäume am himmel, der seine boote
herabläßt. in ihnen schwimmen gesichter über
sich hinaus. sie haben meine augen gesehen.
heute nacht verlassen die geister den wald.
niemand weiß, welche wege sie nehmen.
und dann sehe ich eine kleine weiße feder,
die gerade erst in die pfütze neben der wildspur
gefallen sein muß. und sich im kreis dreht, erst
in die eine und dann in die andere richtung.

Erschienen in „Ostragehege“ (Heft IV / 2016)

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