Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

frühlingsgesichter

licht flutet die rieselfelder. eine rostige flechte
kriecht aus der wurzel an den stämmen hinauf.
an offenen stellen hebt strohgras den wind an,
der in den wiesen atmet. figuren aus marmor
und stein hocken auf ihren säulen, haben augen
gewendet. unsere blassen gesichter tragen schnee
aus den zimmern. betonköpfe ragen aus der erde,
geister abwesender körper, denen wir nachgehen.
lange schatten richten uns auf. an schritten rücken
wege zusammen. die stille verfremdet die stimmen
im kopf, die der elektrozaun einschließt. blätter
brechen mit glasgeräuschen auseinander, werden
laub in der hand, die abfällt von ihnen. am abend
greifst du mir damit in mein haar. und sagst, du
hast dem frühling ins gesicht gesehen. und ich
verzähle mich immer wieder an deinen fingern.

Aus: Die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so, Andreas Altmann, poetenladen Verlag, Leipzig 2014

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