Fixpoetry

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Text des Tages

wetterbericht

die schneekörper sind eingesackt. gestern
abend krochen sie noch gegen den wind.
nur ein paar hautfetzen sind am morgen zu sehen.
bäume haben ihre nester freigegeben. zweige
brechen das dünne licht. die vögel sind voller
mühe. engel erfinden worte, auf die sie fliegen,
obwohl sie sich nicht von der stelle rühren.
das leben ist in träumen zu hause. was ich sehe,
bringen ihre augen ans licht. regennebel presst
die farbe aus den wiesen. dann fallen weiße körner
aus den wolkenfeldern. schritte werden stumpf
und singen schwere lieder. ich muß an die frau
im zug denken, die lange mit einer automatischen
stimme telefonierte. sie trug sommerschuhe und
eine pelzmütze mit sowjetstern. jetzt ist es dunkel.
im schnee seh ich die hand vor augen nicht.
ich möchte benzin trinken, wie der mann im zirkus,
der ich als kind sein wollte, und es anzünden.

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