Fixpoetry

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Text des Tages

winter: begehbare landschaften

I
für den winter geboren
laufen wir zum fluss

manchmal schweigt 
dein atem im nachtlicht 

mondsüchtig

küsst du 
meine müdigkeit hinweg

unsere schritte ein echo
auf dem wasser.

 

II
zwischen den häusern 
diese unschärfe im raum

ich ergreife deine hand

efeu der nacht
verwachsen wir zwischen den wänden  

im zwielicht dehnen sich

schatten an den fassaden.

 

III
schließlich 
erfahren wir uns als eisheilige 

im licht der laternen frost 
an den wimpern

wer außer uns 

könnte die grenzen des winters
im auge des anderen ausloten

wissen dass der mantel der nacht  
zu wärmen vermag? 

 

IV
nachts oder 
in einem anderen zustand von licht

kennst du den weg: immer 
den mond im rücken  

dein profil ein winterglitzern 
im auge ein körnchen schlaf 
haltlos

tasten wir über das eis
zersplittern 

ein randloses leuchten
in der mitte des flusses.   

 

V
begehbare landschaften niemand
außer uns unterwegs 

auf dem eis

nehmen wir fahrt auf
wie schlafwandler

schlittern stunden entgegen

als fluchtpunkte am horizont. 

Aus: Feldkircher Lyrikpreis 2015 // Lyrik der Gegenwart | Band 52 // Erika Kronabitter (Hg.), edition art science

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