Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

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23:59 (UTC+2)
Die Farbwüste geht zugrunde; der Nachtwald ersteht. Fünf­tausend­acht­hundert­drei­und­siebzig Zusagen, drei Komma fünf Millionen Vielleichts.
Ostkreuz. Heinrich-Heine-Straße. Ostbahnhof. Alexanderplatz.
Kurz vorm Kollaps spritzen narkotisierte S-Bahnen lichtfünkchenkleine Samenkörner hinein in die Straßen, Miniaturraketen in hippe Hinterhöfe, bunten Funkenregen in sämtliche Schlangen vor sämtlichen Clubs.
Das Sandkorn ist in Wahrheit ein schimmernder Samen.
WIR geben ihm Namen, oder besser: was daraus wächst.
Perelín.
Das ist nicht das Passwort, Schwachkopf & auch nicht das nächste beste Ding, das ist der Wald, den WIR vor lauter Bäumen, die Amnesie der Nacht, WIR sind jung & leben den Moment, das ist das leben. so fühlen WIR UNS lebendig, können WIR endlich in diesen Laden, schniefen & tänzeln & texten teils gute zweieinhalb Stunden die vielfarbig glimmenden & phosphoreszierenden Blüten unter Zelttuch, auf roten Teppichen, vor goldenen Kordeln. Im Goldspiegel ihrer Augen werden WIR vergesslich, nein: zeigen UNS endlich erkenntlich. Erkennen endlich, wie schön & stark & mutig WIR sind. Wenn WIR erst herrschen, dehnt der Nachtwald sich, wächst rein in die Stadt der Glücklichen, Erinnerungslosen. Selbstbewusste Zusammenkünfte unter Alkoholeinfluss. Da vermischen sich die Fiktionen. Da tollen die Immer-Lachenden, die samtenen Blüten, in allerhand karierten, gestreiften, geringelten oder gepunkteten Plunder gekleidet.
Na endlich. Können WIR in diesen Laden gehn & ficken wen WIR wollen allein mit UNSEREM guten Aussehen. Nach der Losung gefragt, lächeln WIR entspannt & smart, WIR öffnen die übertriebenen Münder:
TU
WAS
DU
WILLST.

 

Aus: Schimmernder Dunst über Perelín, SuKuLTuR, 2015

 

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