Fixpoetry

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Text des Tages

verlassen I

ob etwas geschehen sei? mit oder vor dem ersten schritt. über die schwelle wie auf dünnes eis. links. rechts. leichter brandgeruch aus nicht-ortbarer quelle. oder. jedenfalls nicht nichts: gift, das längst deine lunge füllt? es gibt, denkst du, schließlich auch süßes ... vorwärts, tastend. nichts deutet auf leben hin. du erinnerst: das 666te schiff, das auf die dunkle seite des mondes zu treibt. hinter spiegelnden scheiben: die event horizon, die nostromo, und schließlich: MU-TH-R, kaltblütigster aller verräter. jemand, den du nicht siehst, eilt voraus. aufbruch oder flucht? wer der erste ist, kann nicht sicher sein. jeder mögliche fund eine möglicherweise leere hülle: hoffnung/grauen. gebrochene augen hinterm helmvisier. tote, und seien sie aus papier. auf den obersten brettern namen, die nichts mehr benennen. langsam frisst sich tinte in metall, rost in beton, luft in boden. die schwerkraft hält, was sie verspricht. an ihre richtung hältst du dich. das geländer: rote schuppen auf 42 stufen. abwärts, tastend. im keller unter nacktem licht warten geschwärzte, geschundene torsi. die luft beißt. die wird man nicht aus dem teppich kriegen. jemand wird kommen: ASH. jemand wird kommen: alles in schutt und asche legen.

 

verlassen II

es konnte alles gerettet werden, sagten sie. es wären doch, beharrtest du, nur mehr schatten an den wänden. wer ohne führer geht ... – ein einziges mal gab man eurem betteln statt. erinnerst dich: selbst denken geschah im flüsterton. jemand hat spaßeshalber mit dem vorschlaghammer ein loch in die wand getrieben, der nächste den finger hineingesteckt: glaswolle. erinnerst dich: beißt die zähne zusammen. die körper im keller würden, wenn sie könnten, doch auch: lächeln. erinnerst: die jagd nach der gelben katze durch klamme gänge und klaustrophobisches dunkel. was bleibt ist: das lächeln. dass jemand für sieben leben sein einziges opfert ...! wer überdauert, stand von anfang an fest. dein souvenir: eine karte der city of london. auf der rückseite flecken, als hätte jemand beim schauen ein brot mit blauer butter gegessen. blue tac. geruch nach kalter asche. du hältst die city von dir ab. rosa: die wohngebiete. gelb: die straßen. grau: die themse. ihr blau hat der löschschaum auf dem gewissen. die wellen sind für immer. steif und brüchig wie herbstlaub. unbrauchbares ist jetzt das wertvollste, was du hast. das schott ist fast unten, das sonnenlicht draußen, der ereignishorizont ein immer kleiner werdendes guckloch vorm ENDE. jemand wird kommen, lächeln zuerst, dann: jones. jemand wird sagen:

sie sind in sicherheit.

in sicherheit ...

 

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