Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

was für väter und mütter haben wir

wie dein vater euch gesehen
hatte verstand ich erst als wir
seine superachtfilme konvertierten
während der schifffahrt über den rhein
ging sein kamerablick zwanzig minuten lang
über die lautlosen ufer: häuser und bäume
mal rechtsseitig mal linksseitig des bootes
und während du mir erzähltest wie
aufgekratzt ihr kinder damals wart und
dass dein bruder jeansshorts kurz wie
badehosen trug: keine filmspur von euch
eure familie erschien mir wie kunst die
man komplett erklärt bekommen muss
nichts verstand ich von selbst nur
später beim zoobesuch absolvierte die
kamera deines vaters sämtliche tiere
und als sie vom zebra zum gnu glitt
streifte sie kurz euch jungs und man sah
im augenwinkel dass ihr sogar eine mutter
hattet meist aber war dein vater allein
auf der welt mit lautlosen ufern sein
größter wunsch war immer gewesen
auf see zu gehen und als der film von
der digitalisierten superachtspule lief
sah man kurz dies typische flackern

Aus: sirene des duschraums“, LYRIKPAPYRI, Edition Voß im Horlemann Verlag Berlin (Erscheint im Oktober 2014)

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