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Text des Tages

The Dark Night of Kitchen Sinks

I know you of course
your familiar swamp of grease
and indignity,
knives and spoons scattered
like mutilated limbs

across a battlefield
of gravy-streaked plates
and wounded china.

After the civilities
of supper, I've heard the Huns
of cutlery (who hasn't?) unleashing
their true selves —
jostle,
raid, ravish,
slump.

And I recognize you,
just another kitchen sink
dreaming
of foam and equanimity.

Another lifetime and we'll get there, I promise —
creamy
lavender-scented
pH-balanced.

For now, your dreams smell of detergent
and mine of love.

It could be enough

 

Die finstere Nacht der Spülbecken

Natürlich seid ihr mir bekannt —

euer vertrauter Sumpf aus Fett
und Erniedrigung,

Messer und Löffel verstreut
wie verstümmelte Gliedmaßen

auf dem Schlachtfeld
soßenüberströmter Teller
und verwundeten Porzellans.

Nach den Höflichkeiten
des Abendessens hörte ich (wer hat es nicht?),
wie die Hunnen des Bestecks ihr wahres
Selbst entfesselten —
Rempeln,
Rauben, Reißen,
Hinsacken.

Und ich erkenne dich,
bloß ein weiteres Spülbecken,
das träumt von
Schaum und Gleichmut.

Noch eine Lebzeit und wir sind da, ich verspreche es —
sahneweich
lavendelduftend
pH-neutral.

Heute aber riechen deine Träume nach Spülmittel
und die meinen nach Liebe.

Das könnte reichen.

 

Originaltext erschienen in: Arundhathi Subramaniam, „When God is a Traveller“. Eastburn (Bloodaxe Books) 2014. Übersetzung erschienen in: Arundhathi Subramaniam, „Die Stadt brandete gegen mich“. Übersetzt von Jürgen Brôcan. Dortmund (edition offenes feld) 2016.

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