Text des Tages

2. Preis Feldkircher Lyrikpreis 2018

Aus dem Zyklus das sprechen dort treibt luftwurzeln

II. Im Klatsch

Im Klatsch diese Röte
ein Röcheln darunter Papaver
der Vater des Tratschens.

Wem trachtet er nicht nach dem
Schlaf, der uns hat? So umnachtet
mit Krone noch grün. Der Tag

sieht den Schleier als Leiern von
Nebeln, darin lebt es sich gelb
und schlierig. Ein hiesiges Säbeln.

Die kleben, die Stengel, am Finger
gebrochen der Länge nach greifen
sie ein in die Brocken des Dengelns.

So fängt es an, somniferum auf.
Der Weg ist recht lang, mein Vater
wie lang noch die Erlen ballern?

Ein Schneiden ist Wind in den Haaren
da weidet ein Flüstern von Messern
ganz Mähne und Schweif.

So hämisch wie Fische im Matsch
die denken in Blasen. Das Gras ist
noch feucht, darunter ein Sarg

eine Tasche, mein Vater, ich greife
hinein und lerne die Salben, Papaver
das Sabbeln nabelt sich ab.

Eine Blüte so rot in den Augen
der Töchter des Röchelns.
So geht der Mohn auf.

Der Schlaf klatscht heran und ich
latsche dem König in seine Arme
der gönnt mir nichts als Farne.

Ein falsches Dach dem Chassid.
Assisi, mein Vater, vergiß nicht
auf das Kaddisch, schick ein Wort

vom Thron untern Tisch, es soll mich bewachen
im Schlaf verfranzt mein Schalk
es wird mich verschachern im Klatsch.

Bastian Schneider ist es gelungen, uns zu überraschen, unsere Aufmerksamkeit auf seine Texte zu lenken und für angeregte Diskussionen zu sorgen. Die stolpernde Erstbegehung führte zur Freude über eine neue Rhythmik, jenseits ausgetretener Pfade klassischer Metrik. Wir sind der Meinung, dass diese Gedichte ein Publikum finden werden, das sich dem Spiel der Klänge und Wörter hinzugeben vermag. Das ist allemal preiswürdig, denn das schaffen nur Wenige! (Aus der Laudatio von Andreas Schumann für die Jury des Feldkircher Lyrikpreises 2018)

Wir gratulieren Bastian Schneider sehr herzlich!