Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Hendiadyoin

Denkt einer, denkt, wenn er liest
"Herz und Hirn" an eine Dose Katzenfutter.

Denkt auch, der, denkt, da man sagt
"Damen und Herren" immer an Toilettentüren.

Denkt dann sich selbständig bei
"Liebe und Partnerschaft"
bedrucktes Glas, im Teppichbodengeruch die kunst-
stoffbeschichteten Möbel einer Versicherungsagentur.

Denkt schließlich von "Tisch und Bett"
zu "Nutz-nieß-Lust und Last", zu "Stein und Bein"
und "Hinz und Kunz", in Bausch und Bogen

und formt gedanklich eine Art
Pralinen, bekannt aus Funk und Fernsehn,
aber die Nusssplitter stechen am Gaumen.

Doch Hinz und Kunz, Arm in Arm,
lassen die Zügel schießen;
ein Stein, lange mit Küssen bedeckt,
spitzt selber Lippen zum Kuss;
von Damen und Herren ist nur ein Bein zu sehen,
Herz und Hirn fallen vom Tisch,
im Winde taumelt die Plastikeinlage einer
Pralinenpackung, und wir,
in Sesseln am Ende des Gangs,
in der Raucherecke
unter dem Fenster
am Ende des Gangs
befühlen mit Zungenspitzen

Aus: Stäubungen, parasitenpresse 2017

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