Text des Tages

Familien-Werte

 

Der Leser möge erspüren, dass ich hier nicht von mir selbst rede; er
wolle lediglich die dienende Hand sehen, die vorhandenes Gut um der
Lesenden und der Lernenden willen zusammenfasste.
Walter Supper

 

            Nie sterben die Väter
            Was hab ich verloren?
            Der große Mann tritt ein

            Aus den Tiefen heraus
            Setzt sich auf meine Brust
            Die Sirenen bellen:

Der Vater, die Uniform
Der Vater auf Reisen
Zwischen all den Leibern

Der Vater, die Briefe
Unter den Stiefeln kleben
Doberan und Tschernewens –

Täuschend einsame Geräusche
Die alle gleich klangen nach Grenzland
Der Vater im Rucksack Preußen

Streifschuss oder Krähenort
Sind Worte aus dem Traum -
Strasse, Schritte, Stampfen ein

Kaputter Bahnsteig
Unterwegsbahnhof
Verschmelzen. Jetzt donnern sie:

            Alles geht schlicht vorbei             
            Wer ist hier der Fremde?
            Der Mann der da wartet?

Vater, ders locker nimmt:
Er wartet auf den Zug
Nur der Augenblick zählt

Das Bier und die Sonne
Raupen graben Schneisen
Unter schweren Sohlen ...

Der Krieg ist verloren
Ein schneereicher Winter
Bricht das Land von den Rändern

Der Krieg ist verloren
Er spielt mit seinen Göttern
Die sich nicht halten konnten

            Doch das war das Spiel
            Ich lernte von Opa,
            Entkommen zwecklos

Der Krieg ist verloren
Aus Jahrtausenden gebraut
Das Bergwerk Mensch, klein oder groß

Der Krieg ist verloren
Dass uns sein Singen bleibt
Die Hand an der Brust

Ein Denkmal der Streitmacht
Gedächtniskrücke
Seine Verbrechen und Erfolge

Magie Erinnerung Beschwörung
Grimmseuche, atemverbogen
Gelesen wie ein Alibi

Zeichnet unser Denken
Das die Dunkelheit wusch –
Wir haben immer stumm gesprochen

Fahnengeschwärzt
Dicht über den Masten
Als wollten schadhaft wir

Ausdruckslos herausaltern
Als ein Unfall des Datums
Im Ziehen von Handkarren?

 

Strenge Montagen, verfertigt aus den Gedichten der Hefte 18-39 der Literaturzeitschrift Risse. Es wurden jeweils ganze Zeilen entnommen und neu zu anderen sortiert. Dabei wurden lediglich die Orthographie und Zeichensetzung den Gepflogenheiten des jeweils entstehenden Textes angepasst, sonst aber keine Eingriffe vorgenommen. Weitere Spielregeln: Einem einzelnen Gedicht durften allenfalls wenige Zeilen entnommen  werden, soweit sie im neuen Text in völlig verändertem Kontext auftauchen.

Register: Heftnummer; Autor: Titel bzw. Textanfang (mitunter Strophennummer) (Übersetzer) Titelrechtschreibung nachträglich normiert.

23; Daniela Boltres; Familien-Werte // 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn / 37; Arno Reis: Frauentrauben / 37; Jan Decker: Edith und der grosse Mann // 36; Tobias Reußwig: Knebelzyklen / 19; Kerstin Preiwuß: Schon hält er Umgang mit den Spinnen / 23; Daniela Boltres: Der Himmel brennt // 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn / 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn / 29; Ines Baumgartl: Freilandbeat // 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn / 33 Friederike A. Haerter; Damals / 19; Renata Schumann: Schlesien am Meer // 38; Kai Pohl: Zum Abschied ... / 39; Friederike Haerter: Wir waren die Letzten / 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn // 33; Friederike A. Haerter: Damals / 38; Kai Pohl: Bis Amazonien brennt / 39; André Hatting: Gänge // 21; Silvio Witt: Berlinfahrt / 22; Sebastian Schönbeck: Unterwegsbahnhof / 30; Odile Endres: Buffalo // schlicht vorbei / 28; Georg Hoprich: Alles geht 37; Uwe Schloen: Notunterkunft / 35; Kurt Scharf; Stillstand // 33; Uwe Kolbe: Vater und Sohn / 30; Uwe Schloen: Tod eines Handelsreisenden / 33; Kai Pohl: Mariannenschnitte (18. Strophe) // 33 Kai Pohl: Mariannenschnitte (6 Strophe) / 33; Kai Pohl: Mariannenschnitte (7 Strophe) / 37; Friederike Haerter: Kastanie // 38; Rümkorf: Werft an die Motoren ... / 26; Eberhard Schulze: Schneereicher Winter / 30; Marcus Rohloff: Dorfweg mit Waldrand // 38; Rümkorf: Werft an die Motoren ... / 20 Anakreon: Anakreon; mein Lehrer;(Gleim) / 34; Kathrin Pöthke: Fehlbezeichnet // 28; Berthold Brecht: Böses gab es viel / 23; Daniela Boltres: Die Glocken läuten./ 21; Silvio Witt: Berlinfahrt // 38; Rümkorf: Werft an die Motoren ... / 38; André Hatting: Verteidigung der Art / 25; Kerstin Preiwuß: Klein oder groß // 38; Rümkorf: Werft an die Motoren ... / 37; Dorothee Arndt: Dass ein Singen bleibt / 33; Kai Pohl: Mariannenschnitte // 23; Anna Wolff: Zur Winterszeit / 38; André Hatting Verteidigung der Art / 37; Jan Decker: Edith und der grosse Mann // 38; André Hatting: Verteidigung der Art / 34; Titus Meyer: Novembertage / 22; Sebastian Schönbeck: Im Zug // 38; André Hatting: Verteidigung der Art / 32; Dorothe Arendt: Nachtzug / 28; Georg Hoprich: Schweigen // 38; André Hatting; Verteidigung der Art / 23; Marcus Roloff; Zu Hause hoch zwei / 35; Carlo Ihde: Hiddensee to go

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