Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

warum schieben Sie Ihr Rad
es zerrt das Schloss mitsamt Zaun davon
es muss lernen am Zügel zu gehen

es nickt ein
sam die Hufe eins zwei drei
vier lauschende Schritte über knirschen
den Kies ach wer das Beil des Henkers
schimmern sieht spürt schon den
roten Faden am Hals die flügelschlepp
ende Taube im Gras das Nadelöhrunter
holz flüchtender Kaninchen

äsendes Taubengrau auf Maigrün satt
gefangenes Abendrot zwischen Buchengezweig
Halbgefrorenes in das das Fischlein springt
und Lortzings Bubenquintett friert in der Dämmerung auf Sockelhöhe
bis in die pfeilknospenstarren Ruten seines Geschlechts

der gelbe Boxer
der rote Boxer
schießen über die Wiese hin
kein Pfui hindert sie die
Maulwürfe zu jagen bis
ins Kellergeschoss das habe

ich nicht gesehen
und glaube es weil der Ruf unter den Regenschirm trieb
an diesem Nachmittag Mitte April

und in dem Schallhaus hieß es ich glaube
ich spinne bin ich nicht ein Tor wenn
ich meine Bilder nicht ernst nehme

entzündete Weidenknospen aus
denen das Schattengrün treibt
Qual der Bäume ihre Blättergeburt

Sattelschwung und dann Kiesgesprengsel
unter den gummirunden Hufen
so traben wir dem Ausgang zu

der spiegelglatte Gipfel der Philharmonie
das Sandsteinmassiv der Staatsbibliothek
in der Höhe ein Feuer von Buchnomaden
die Abende sind kühl ohne Nachhausekehraugenglut hü
hott riechst schon den Stall und das Abendbrot
unterm Platanennüsschengeklingel am Landwehr
kanal ins Bernburger Land unterm rotgelben Lind
wurm hinweg ins dämmernde Hafenquartier wo
es nach Regen duftet ein Hauch Akazienweide
kommende Frühsommertracht

2010-04-16

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