Fixpoetry

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Text des Tages

IN DER HAUPTSTADT IST DIESER STRAND UNBEKANNT

 

I

das meer stapelt die farbtafeln, verschwimmt
weicht weiter zurück. hinterlässt eine botschaft
am felsen. hutmuscheln. reihen, gleichmäßig
wie sonnenhüte von feldarbeitern.

für uns reproduzieren die muscheln die ordnung
der inseln, giganten, die weit vorn auftauchen
aus der flimmernden scheibe atlantik. und die inseln
reproduzieren die ordnung der sterne im juni.

die möwen kreischen in ihrem blauen zirkus.
diplomaten, suchen sie ihre chance im geschiebe
von wasser und luft. windlotsen, schätzen sie uns ab.

ihre beratung ist rauh, kurz, wie auch ihre zwischen-
landung am strand. sie vertilgen kleinkrebse, abfall.
haben nur ein wort: nie. nie.

II

du bist der sommer. das aufleuchten
und erblinden der prile ist ein signal
in einer tagmondlandschaft
voll blasentang und gestrüpp. schlamm

unter den füßen, gewürm. steine wie kahle mönche
ducken sich windumstellt in den felsenverstecken
der see. wind haust in hellen seegras-weiden.
schnecken als schläfer in stillen häusern am strand.

boote verrotten, aufgebockt. das hinterland ist verlassen
uralte geometrie von wällen, ein netz, das weiden
umschließt. schaf, übernimm. pupillen sind winzige nächte

unterbrochen von blinzeln. wollpflanzen
weißgeflockt. möwen kehren zum wasser zurück
nie. nie. hier grast der himmel.

III

das land teilen sich drei winde, lern ich im traum
einer, verschob schafherden, tanker und geld.
einer vertäute die inseln am himmel.
und der stärkste wind deckte klöster ab, zerstörte kirchen

und fischer mit ihren roten segeln ertranken.
es muss noch einen wind geben, ruf ich
der verfolgt uns, rüttelt an wänden, schlössern!
du aber schläfst. bist ruhig, gelöst

als sei unter dem wasser noch ein land, das leuchtet
eine zuflucht, die du ohne zu suchen erreicht hast
wenn abends das meer in den salzigen sund zurückdrängt

die winde zurückschiebt, ihre flüchtigen tafeln aus seegras
sterbenden krebsen und egeln überschreibt
mit den grauen sternkarten der muscheln.         

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