Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

schichten entstehen so

wie sonne mit schattenwurf spielt am nachbarhaus, gewinnt.

bleibt falb, hüllt sich in
ferne, rau, dabei immergleich.
besaß lust. sie kroch in meine gemäuer
bei abend, trug assel und heftklammer her,
trug es her. sie prahlte mit
wärme, übergab mich einem
wechselhaften mond und falscher aussicht.

wenn’s abend wurde, ließ ich nach in tages-
kraft, faltete schwingen, legte in oberste lade,
in einschüchternd großen schrank. da, nimm du‘s!
strich an nadeln vorbei, an zusatzstichen, schonte mich
besonders zur nacht hin, hab ihn so überstanden.
zu fasching dürfen hörner, antennen, federn heraus –
eine biene hinter sich her-
setzen an höchste stelle, auf wagen.
zum sichersein: fliegt nicht.

wie ich härtete.

plötzlich wurden plätze im innern, ging etwas auf –
verwaiste plätze, inmitten ein lindenbaum,
rauschende plätze mit karussellen, das verbissene lächeln
eines seinerseits aufgespießten pferdes.
hahn auf hausdach im dorf, sein nadelbein gibt
rätsel auf: will haus kirche sein? klerikaler konkurrent?
wenn ja, wo wär seine glocke?
dreht sich pferd, schaukelt nicht, folgt pressen einer pumpe,
eine tiergesellschaft aus lackiertem, lächelnd in schichten
unter rötlichem bausch.
schilder regeln: nur dir sei betreten ausdrücklich verboten!
bannmeile wie um pyramiden von gizeh – kürzlich gezogen.

bei nacht, außerhalb und später, wenn zimmer kammern werden,
anders nicht zu bergen, verlangt‘s mich zum
trotz nach einem nebengeschöpf. wär ich glücklich
mit einem, der sich aufs federlesen mit sorgsamer hand verstünde?
spatzen hudern heimlich, ich hab sie
belauert im garten, stand starrend.
geduldiger standen stare, besahen
flügel übereinander. schlagen als wärme erzeugen.
schichten entstehen so.
ich zog lade auf, zählte federn, beruhigte mich.

wie inseln später in wanne wachsen aus knien.

 

 

Aus: auszeiten vier, erscheint 2019 im gutleut verlag Frankfurt

*

FOKUS LYRIK

Nachtblende Lyrik - Frankfurter Abend 08. März 21 Uhr. Die Lyrikerinnen Caroline Danneil und Julia Grinberg, beide Mitglieder des Salon Fluchtentier, stellen ihre im gutleut verlag erscheinenden Debütbände vor. Der Lyriker und Literaturkritiker Alexandru Bulucz liest neue bisher nicht in Buchform veröffentlichte Texte, während Julia Mantel, auch ein Fluchtentier, Gedichte aus ihrem im Herbst 2018 im Frankfurter Verlag Edition Faust erschienenen Band „Der Bäcker gibt mir das Brot auch so“ vorstellt. Zudem werden Gedichte des jüngst verstorbenen Frankfurter Dichters Paulus Böhmer vorgetragen. Für die musikalische Begleitung mit Gesang am Klavier sorgt Nils Brunschede. Moderation: Yevgeniy Breyger und Michael Wagener.

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