Fixpoetry

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Text des Tages

BRIEF AUF EINEM STÜCK RINDE

 

meine suche war zuende als ich dich das erste mal sah
eines sommers, am bach.
         du hattest einen fisch ausgenommen
         und ludest mich zum essen ein
da war das rauschen des wassers der beizende rauch das warme fett das vom kinn tropft

und deine hand wie sie es abwischt

unsre hände gewaschen mit asche und sand, mit asche und sand –

dein haar war zerzaust und stumpf ich hatte einen kamm
ich entwirrte es dir bis die schatten lang wurden
du hieltest die ganze zeit still ich wußte einen spruch
wie federn glänzt dein haar am abend

unter allen meines stammes bist du ohnegleichen, bruder.
du kommst von den bergen deine fährte ist klar und kalt
als noch ein andrer bei mir lag kamst du im traum und sahst nach mir.

jetzt kommst du lange nicht mehr. wer wärmt dich im schlaf?
unter den vielen gesichtern die in deine augen kamen
unter den vielen namen die aus deinem mund gingen
wie bewahrst du meine?

asche und sand, asche und sand –

wenn du an mich denkst denk an grasland:
der fluß hat sein bett verlegt die wellen und mulden in der erde
erinnern ihn voller hoffnung. der wind spielt im gras das wasser das er hinterm himmelsrand [sah.
das wildeste pferd weidet in sicht seiner brüder und schwestern
& wie weit auch der himmel: die bussarde

kreisen zu zweit.

Aus: Wilde Brombeeren (Verlag Peter Engstler, 2008)

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