Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Standbild

Du sammelst Sterne für dein Banner.
Auf deinen Plätzen türmen sich Altvordere
zuhauf, auch die heftest du dir an die
Fahne. Stein, aufgeweißt von der Zeit, wie
poliert – dir gefällt, wenn etwas abgeht.

Um dich kommt man nicht herum. Nichts
fürchtest du mehr als Anarchie und Ordnung,
die unverrückbare, während langsam dein Platz
am Tisch wandert, von Vater zu Großvater, hin
zum Trost unter dem Herrgottswinkel – und

Trotz? Die gichtende Hand kann die erneuerten
Worte nicht länger greifen. Atlas nenne ich dich,
und nichts als eine Säule bist du. Stein. Aufgeweißt
vor der Zeit. Meine beschwichtigende Geste an deiner
Wange, geraut von Taubenkot, mit dem dir

Jemand dein Gesicht eingerieben. Wie oft ist dir
schon der Himmel auf den Kopf gefallen? Und
immer noch stehst du und lässt dir von mir die Füße
waschen mit dem Essig der Hesperiden. Und nachts
legen dir deine Eulen vor den Sockel ihr Gewöll.

Aus: Parablüh· Monologe mit Sylvia · Lyrikprojekt · Cornelia Travnicek · Limbus 2017

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