Fixpoetry

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Text des Tages

Wolfsstrudel (Statt einer poetologischen Abhandlung)

Nehmen wir einmal das Wort „Wolfsstrudel“
Und dienen es einem Gedicht zum Zentrum an
Zunächst gibt es da eine russische Kreiselbewegung
Aber sie hat eigentlich nichts mit Wölfen zu tun
Und Strudel reimt sich auf Rudel
Und ist was zu Essen
Idee: Im Voralbergischen
Sei der Wolfsstrudel eine traditionelle Behelfsmahlzeit.
Im Dschungel von Hastenichgesehn
Haste vielleicht doch einen Wirbel aus Wölfen gesehn?

Aber die kritische Öffentlichkeit will doch was zu Geflüchteten
Also geben wir ihr was zu Geflüchteten
Drei Wölfe treiben eine Hirschkuh durchs Dorf
Zu volkstümlichen Klängen aus dem Uralgebirge
Die übergehen in eine arabische Frühlingsmelodei ...

„Vermeide Lyrizismen“,
Sagt der Wolf
Frisst den Mond
Dreht dem Rotwein
Den Saft ab.

Wer Metaphern zerkleinern will,
Braucht einen Fleischwolf
Und wie man weiß, ist das kein
Korpulentes hundeähnliches Raubtier,
Genauso wenig, wie Zitronenfalter
Zitronen falten, außer zum Beispiel
In einem Gedicht von Ulrike Feibig.
Im Strudel der zerwolften Metaphern
Navigiert ein Igel, verweigert sich
Anfang und Ende.

„Ein Molf mang wrei Dal ,Siau'“,
So Martynova. Das Rudel
miaut im Strudel
Lauter begossene Pudel.

Der Wolf über einem Lagerfeuer
Die oben demonstrierten Spieße
Hineingebohrt, von unten
Und oben, schräg
Und nun können wir es uns
Auf Voralbergisch gemütlich machen.

erschienen in: manuskripte 222/2018

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