Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Till

für André Schinkel

Wir gehen los,
Meister und Schüler,
lassen Gottesäcker hinter uns,
halten uns nordöstlich,
der letzten Eiszeit entgegen.

Du sagst:
Korngröße
zwischen megalithisch und feinsandig,
ist der Gletscher eine scharfe Zunge,
die aufreißt, mitreißt,
Boden anhebt, faltet, auftürmt,
Rinnen schürft
oder
glättet, schleift, ebnet
oder
alles nur vor sich herschiebt
und geschehen lässt.

Ich höre zu und latsche
unbedacht in die Tiefe der Bodenkunde.
(Na ja, eine Wasserpfütze mit trübem Grund!)

Du lachst, mahnst zur Geduld.

Ich repetiere mein hastig erlerntes Wissen,
unterscheide Grundmoräne von Endmoräne,
schätze das Urstromtal an der Breite der Ebene ab.

Du nickst.

Ich drücke die Last meiner Existenz,
Schritt um Schritt, in den Boden, in die Erde,
in die Schicht, die mich nährt, die uns erhält,
die zu ergründen ich nun begonnen habe.

Du aber gehst wortlos über die Kuppe.

Als ich dir nachfolge,
bist du wie jegliche Eisschilde verschwunden.
Die Vorlesung ist beendet.

Eine erste Übung:
Korunde (Steine, Sande) aus dem Schuhprofil polken
und an neuen Krumen dichten.

 

13.07.2020
(Krakow am See, Mecklenburg-Vorpommern)

 

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