Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

vom Leben Schreiben Wohnen“ ich puste die Vöglein              
(wie sie in den Lüften umherrauschen ich meine dasz                   
sie mir Segen (bringen) während die Blüten-Pratze des                      
Frühlings meine Stirn, berührt, dasz ich Tränen-                                
ströme vergiesze  . . . . . . .  also sitze ich im Schneider-                
sitz vor meiner Wohnungstür weil im Innern meiner Woh-                 
nung kein Platz mehr ist usw., eigentlich ist mein Wohn-                     
sitz die Lektüre von Jean Paul, er liegt auf meinen                           
Knien und ich exzerpiere aus seinen Lebensberichten.                   
Natürlich ist mein Quartier vor allem eine Ungewisz-                  
heit : nichts mehr aufzufinden zur Zeit schläft 1                              
Hündchen auf meinem Schosz, ich liebe den Geist die-              
ser Quadrille du hast dich oft hier aufgehalten :                         
kennst jeden Winkel / leider habe ich keine Schubla-                    
de / ich hole in der Windmühlgasse neue Farbbänder für                    
die Maschine, manchmal höre ich Franz Liszt aus dem                           
Grammo, ich kann mich nicht an meine Taufe erinnern                             
ich meine später ereilte mich der Tod. Es ereilten mich                       
die Blütenmeere und ich pflückte die Blumen meiner                   
Kindheit, das schlimmste wäre gewesen, 1 Nomade zu sein                     
unter einem Ginkgobaum, also ich halte nichts vom No-              
madentum = Normandie, aber ich hütete mein Heim eigent-             
lich mein so genanntes Strandgut und was mir aus der                    
Hand fiel liesz ich liegen, liesz ich auf dem Boden                          
liegen, ich habe nur 2 mal mein Domizil gewechselt,                   
oder höchstens 3 mal : 1 mal wohnte ich mit meinen                   
Eltern in der weitläufigen Wohnung meiner Groszeltern               
welche wir aber in meinem 2.Jahr gegen 1 beengtes Quar-          
tier (in der Nähe) tauschten, das ich in meiner Ake-                        
leienzeit = mit 25 = gegen 1 noch beengteres Quartier                                
eintauschte wo mir die exemplarischen Früchte ins Maul                  
hingen etc., nie wollte ich auf Wanderschaft = Noma-                           
denschaft gehen (mit einem Säckchen Bleibtreu Basilikum           
Basislektüre auf meinen Schultern)  . . . . . . . . .   so lebte                   
ich hin mit den Sonnenuntergängen im Westfenster, be-                  
tete viel - “  

Zuerst erschienen in: Zeitschrift SALZ, zeitschrift für literatur, Heft 157/Sept. 2014
Unser Dank gilt Friederike Mayröcker und Matthias Fallenstein für die Vermittlung!

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