Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

hinter meinem Bleistift wie hinter einem Baum

wie wenig ich bin
auf kleinem Raum
mit einfach dem glücklich:

Balkon, der Kladde für Gedichte, dem Baggersee hinterm Wäldchen,
Holzstuhl mit Buch, über dessen Lehne jetzt der Badeanzug trocknet.
Petunien, winden sich üppig aus den Blumenkästen ums Wäschereckchen.

mein Zimmer, sommerabends, geht draußen weiter.

ein lebendiges Wesen außer mir. dehnt sich aus.
wendet sich mit Bullauge und Lauschern nach außen zu:
schnalzenden Sandeln auf dem Asphalt, Besteckgeklapper, Basketballdribbeln.
zu den Stimmen ringsum, die wie Schmetterlinge durch die Luft tanzen.  

so bin ich abgesetzt
doch schreibe mitten
unter Menschen und anderem Atem. in der Menge.
und in Gesellschaft meiner liebevollen Kleinigkeiten.

so stellt sich, ganz unberühmt, unbemüht, ein, zu mir,
wie ein Assistent, nur vertrauter, gar nicht chic: das Stillleben
mit Sommerhitze, Rollladen und Gießkanne.
verträumt, steht er mir bei, der Assistent, der mein Zimmer ist,

die Hülle eines Geliebten, den ich hier nur skizziere,
verbreitet sich, in meine paar wenigen Räume,
tritt sommers sogar auf das Schiffsdeck hinaus,
und schrumpft zugleich zum Strich hinter mir.

versteckt sich lieber hinter meinem Bleistift
wie hinter einem Baum. ich kann ihn aus der Luft
heraus nicht mehr greifen. nicht aus der Muschel
meines Zimmers ist dieser Schemen des Geliebten geboren,
nicht wie die Venus aus dem Schaum des Meeres.  

schaut, jetzt weht eine Brise herein, schiebt den Vorhang
beiseite. schaut, sein helles Haar, wie eine kurze Libelle
oder Fledermaus flattert über meinen engen Schiffsbalkon
wie über eine offene Meereswiese.  

 

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