Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

springisandur1, sand und tag keine begegnung. weiße nächte
im fenster blinder fleck unsere haut keine regung
zwei flächen liegen voneinander entfernt deine hand

neben mir scheint ein anderer kopf auf, von dem du nichts ahnst
deine lider fallen dir in die landschaft kippt sanft
das schaukeln des busses, das uns mit schlaf füllt, lichtblitze

der apparat klickt in dein lächeln hinein reißt die kamera die landschaft
in tragbare stücke. dein haar in bewegung, etwas das nach dir riecht
trägt die sonne über gletschern und moosen regenwolken: das hochland

liegt grau die wüste springt sand in den nassen staub schaust du genau
während ein teil von dir schläft, verschließt du die weite. im stillstand
der bus überholt uns der horizont verabredet mit der luft

macht die straße einen bogen, trägt dein zittern. ein lid geöffnet
das andere im schlaf. die landschaft, sagst du ändert sich, meinst uns
die sich nicht mehr berühren.

sonar, fischschwarm, fabelwesen im wind wirkt schwere see
schiffsschrauben reißen am wasser auf der schiffswand
liegt tang, darüber schwärmt möwenflug luft aus

die nixen kämpfen hart backboard voraus gewassert die beiboote
entfernt von ohr und ort strecken sich schiffsrümpfe
empor, schallregelung im achternden bereich das meer

färbt sich mit schellfisch, sein bild braust in die sinne
sein fleisch geht ins schleppnetz im salz spukt leere see beifang
der sexstant zur hand das fangdeck nun radar im wind folgt atem

ficht sturmwerk sonar birgt das wissen um die weite des wassers
zeichnet karten in den schall, eng läuft das netz durch die maschen
fliegen fische, ihre laute sind inseln.

  • 1. Wüste im isländischen Hochland

Aus: Feldkircher Lyrikpreis 2015 // Lyrik der Gegenwart | Band 52 // Erika Kronabitter (Hg.) // edition art science

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