Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

ausblick

liegt das buch in der stille der gruft meiner kammer
wo eben noch der teller stand eint es beide in armut
leg auch ich mich nieder steht teebraun die tasse über mir
durchstößt mein blick die mauern geh ich kalk in der jacke
zwischen den ruinen meiner gedanken durch straßen
läuft das leben neben mir umweht mich höhnend die luft
wittere ich an jeder tür ein grab denn überall sind tote
unter uns werden menschen wie häuser abgerissen
sitzen alte kinder vor flaschen in trümmern aus stein
schlafen sie hinter zerschlagenen scheiben fließt blut
über den gehsteig die brust der stadt seh ich mich
als kind geborgen hör ich die hunde heulen in höfen
hoff ich daß die kreide an der wand die seelen weich macht
bis glashäuser splittern leuchten morgens dächer schräg
im licht wächst der baum der tiere aus dem bau der menschen

Aus: Seelenland, S. 34, Edition Das Labor 2015

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