Text des Tages

Nicht allein bist du auf der Flucht
wir alle flüchten mit
Seit gestern seit Jahrhunderten
Nach Norden Süden in die Mitte

Von einem Himmel
zum anderen

Ich eine blonde Negerin
Brancusis Garten entsprungen
du mit den Augen eines Fisches
der ertrunken
wir gefallenen Engel ewigen Juden

Fluchtsand in den durstigen Wimpern
Meereswellenschläge im Magen
Durch das Schlammige
das Durchgebrannte angekettet

Im Sternenbett zu Dämmerstunden
erscheinen wir uns selbst
als Marionetten
im Märchen aus tausend Nächten

Wir alle suchen die Weite
aber am liebsten
fliehen wir vor uns selbst

Erschienen in: Versnetze_zehn  (Hrsg. Axel Kutsch, Verlag Ralf Liebe, 2017

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