Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Was das Wasser weiß.

Im Blick in dich
in einen Spiegel, der mir die sanften Wellen sind
könnte dich berühren
sanft, wie du es gerne hast
könnte deine Haut greifen, kalt und feucht
in sie tauchen und in ihr verschwinden

In dir verschwinden
das Salz sein, das aus dir perlt
und mich treiben lassen wie ein Blütenblatt
Strandläufer, Wasserschlange
du bist das, was in mir rauscht und meterhoch gegen Mauern kracht
dabei doch die umstürmische See, die gesichtslos ruht
 tief kann ich in dir untergehen

Abgebissener Nagellack bröckelt in die Pfütze Meer
rot bestäubt er die Welt unter der Oberfläche
Treiben, heißt das
Buntfischler, Drachenrochen
nichts gibt es
ergo alles

Ich tauche in dich, ab in dein Goldfischglas
so trüb, dass ich nichts sehen kann
nicht sehen, ob du schwimmst und strampelst und dann krampfst
Luft holen, wo keine Luft zu finden ist
sieh, die Sterne unter Wasser spiegeln dich zurück in die Unendlichkeit
horch, da ist es lautlos, ist es leer

Ich schneide mich an einer Scherbe, die am Meeresgrund liegt
fast unter Sand begraben
auch eine Koralle schneidet in meine Haut
schneidet Schwielen auf, und Luftbläschen, und -
ins Nirgendwo, das sich in ein Schiffswrack kratzt
ein Haizahn, siehst du?
wie ist er in dich gekommen?

Zurück an der Oberfläche bist du mir noch immer Spiegel und aalglatt dazu
ich tupfe dir die Wassertropfen von den Wangen
Tränen sind es nicht, sind -
Tintenkrebse, Schnittstellen
ich nehme eine Schere und schneide das Meer in Bahnen
die Bahnen rolle ich auf
für später mache ich das, für dich.

Mein Rücken schmerzt vom Wasserbett
wieder bröckelt Lack, diesmal aus meinen Augenwinkeln
ein Augenwink
eine Flut
was das Wasser weiß:  ich schwimme über deine Zielgerade

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