Text des Tages

DAS LIED EINES VOGELS AUF DEM MEERESGRUND

Heute bin ich sehr traurig,
Traurig bin ich bis zum Gähnen,
Bis zum Ertrinken in den Schlaf.
Flach sind die Wasserwirbel,
Oh, widersetz dich nicht dem Meer,
Dem Mond, dem Wasser und dem Leid –
Kreisend falle ich
In einen verschlammten Hang,
In den dumpfen, unfriedlichen Klang
Moosbewachsener Glockentürme.

Der Vogel gleitet unter den Wellen,
Krümmt sie angestrengt mit den Flügeln.

Inmitten polierter Steine
Die Ohrwindungen
Gewachster Muscheln,
Und die Alge schlängelt sich,
Weiter oben schwimmt ein Molch,
Mit Mühe schleicht der Vogel,
Stößt dabei den Grund mit den Flügeln,
Nicht auf dem Fels ein Nest zu bauen,
Nicht, Fische, unter euch zu leben,

Sondern den Tiefen, den Felsblöcken
Ins nächtliche Meeressodom zu singen,
Den tauben bodennahen Fischen
Von Sternen überm Teich,
Von der uralten Haut der Eiche,
Und von dem Kerzenfeuer,
Und von Ofenfeuern,
Nie verlöschenden Altarleuchtern,
Vom Staub der Falter,
Von ihrer kurzen Unruhe,
Von abgebrannten Knochen.

Der Vogel gleitet unter den Wassern,
Krümmt sie angestrengt mit den Flügeln.

Herausätzen wird blaues Salz deine Pupille,
Der Schmerz nagt an deinem Schnabel,
Krall dich an der Knochenschulter fest
Und sing dem Ertrunkenen von dem Jammertal,
Wo er eine Kerze anzuzünden pflegte.

Der Vogel gleitet unter den Wassern,
Krümmt sie angestrengt mit den Flügeln.

Er singt, wie auf einem Ast bei Morgenröte,
Von der Sonne und dem Strahlen des Gartens,
Doch Nachrichten von Hitze und Licht
Glauben die schlüpfrigen Kaltblüter nicht.
Das Dämmerungspferdchen wird’s glauben –
Wenn in einer runden Schaluppe,
Einer trockenen Nussschale
Das leise Höhlenfeuer sinkt –
Dann wird’s das Seepferdchen glauben.

Lohnt's sich zu singen, wo niemand hört,
Am Meeresboden zu trällern?
Aus dem Boot gebeugt warte ich auf dich,
Vogel, flieg in der Tiefe hoch.

 

Übersetzung: Daniel Jurjew

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