Fixpoetry

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Text des Tages

DAS KIND

in die liebe hat es sich wie in einen abgrund gestürzt
noch so jung durfte keine sekunde
mehr ungenutzt verstreichen

von demselben verlassenen flecken erde ist es
in vier verschiedene himmelsrichtungen aufgebrochen
die jedes mal zurück zum ausgangspunkt führten

dort, auf dem sterbebett der ernüchterung
ist ihm im fiebertraum das nichts begegnet
weder freundlich noch furchteinflößend

ach, bloß ein hungriges kind das sich sehenden auges in die
     liebe stürzte
die ein abgrund ist
noch so jung und die frist verstrichen

*

FREIER FALL

was kann ihn abwenden? nichts
wer kann mich aufhalten? niemand
die einen fallen

die anderen krallen sich fest
an den rändern des abgrunds
revoltieren unter umgekehrten vorzeichen: sie

die über mir und auf festem boden steht
wer kann sie aufhalten? niemand

was kann sie umstimmen? nichts

*

VOR DEM FREIEN FALL

ich kann nicht den geringsten widerstand ertragen
das äußere der dinge
dass eine wand nicht nachgibt gegen die ich mich lehne
meine schulter nicht durch die tapetenschichten
der vormieter tief ins gemäuer sinkt
dorthin wo alles zerfließt und materie eine untergeordne-te
     rolle spielt
ich kann nicht einmal mehr zuhören
(obwohl ich es früher besonders gern getan habe)
wenn über das wetter gesprochen wird
und am gesichtsausdruck nichts als das niederschlagsrisi-ko
der kommenden tage abzulesen ist

mein verlangen ist so groß
dass ich angst vor seiner erfüllung habe
besser zu fliehen zu rufen
in die leere die ich kenne

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