Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

als ich aufwache fliegen gerade die vorhänge aus dem fenster
der regen packt sie
sie sind segel
sie füllen sich mit wind aber das haus bewegt sich nicht
das haus bleibt ruhig und ich schlafe wieder ein

die bodenfliesen werden nass wie kekse
färben sich langsam dunkel
zerbröseln unter dem gewicht des betts
ich stürze auf das stockwerk darunter 

das bett hat sich in ein ruderboot verwandelt und schlägt hart auf wasser
und schwarz-weiße italienische spielfilmfrauen
(mit dem wasser bis zu den knien und waschzuber aus alu

die hinter ihnen her treiben wie dressierte schwäne)
hängen die langen unterhosen ihrer ehemänner auf

es ist waschtag

ich rafte das treppenhaus hinab

das wasser strömt durch die klappschütten des müllschluckers herein 
das boot prallt gegen die wände dass es im holz knirscht
bricht schließlich die haustür auf

 

ich treibe weg von meinem haus
winkend

lasse mich in einen nebel treiben der einmal weiß war
doch düster wurde als er wie ein lappen über die stadt strich

 

Aus dem Isländischen übertragen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer

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