Text des Tages

GEH UND FINDE MIR EINEN MANN

komm nicht zurück bis du ihn gefunden hast
hast du gehört?
einen für mich; du weißt schon, warm und groß
soll er sein; unterm hemd soll er gelächter statt eines bauchs
tragen, und mich im geäst seiner arme

von dort sieht man nicht wie winzig
wir geworden sind; du und ich
die wir uns nicht mehr erkennen. geh! –

finde mir diesen läufer hengst dichter flegel pfadfinder
er wächst aus den zerplatzten pilzhüten, vom neugeborenen regen
erquickt, hörst du? dreh dich um, schalte den fernseher ab, steh auf!
auf, auf, auf...
und finde ihn jetzt, geh! –

schwimm durch die flüsse tauche bis auf den meeresboden
hinunter; stiehl das feuer, vielleicht rennt er dir
hinterher, das fleisch meines fleisches
der urmensch mit tönerner stimme
er lechzt nach mir seit jeher
er lebt von meinem hunger. geh! –

wandere durch ungezähmte wälder, vielleicht hat er sich
in einer grotte versteckt; guck genau hin, geh rein; noch weiter
bis zum ende, bis ins dunkel, sonst wirst du ihn nicht
erkennen! – vielleicht liegt er im sand vergraben
oder ist bis zur weitesten insel geschwommen
als sein schiff im sturm zerbrach
er lebt noch, sicher; geh! –

und bleib nicht stehen bis du ihn findest
den mann
mit kranichschwärmen in den schenkeln

*

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