Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Fernverbindung

1.
Es gehen besondere Vorkommnisse durchs Fenster und Kabel
neben dem Zug, sie begleiten ihn mit einem andauernden auf
und ab, sie ölen die Morgenfenster entlang, langsam, dunkel
in der immergleichen Welle zu der wir lange hinsehen
während die Beifahrer kryptisch werden und einige
Ortsschilder sich im Vorbeifahren eilig unscharf stellen
schalten wir die Sonne ein und die Maschine nie aus

2.
Das Telefon geht auf und zu, als alle endlich schlafen
lässt es den Hörer fallen, bis er neben einem liegt
der seit langem auf Zeichen wartet und deutlich schnarcht
damit die Nacht sitzen bleibt, träumt er ganz langsam
dass er eine Nummer wählt, wieder und wieder von vorn
bis sie endlich stimmt und er doch kein Freizeichen hat
weil er mit dem Taschenrechner wählt

3.
Wir haben hier Landlinien. Sie gehen vom Fenster aus
in die Ferne und können nicht aufhören, Vögel sitzen darauf
Wir lieben die Strommasten und Windkraftwerke, die
Bienen sterben an den Funktürmen, die Fühler erhoben
mit Tau im Fell, die Vögel halten die Leitungen offen
bis ein Zug sie passiert, bis endlich einer durchkommt
und die Kabel heimlich singen

 

 

 

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