Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Wir zu ihnen

Die Menschen legen im Bad ihre Schablonen an
während die Füchse ziehen und von Haus zu Haus
fragen, ob hier eine Heimat ist
hallt in den Straßen der Schrei eines Kindes
das klingt wie ein Vogel der Füchse sieht

Man kann ihre Zähne sehen und die Augen unter den Ohren
während sie Zeichen an jede Tür malen und Fürbitten sprechen
für die Menschen, fürs nächste Jahr, für die Fähen,
für alle Kinder, die gellend schreien

Es wird ihnen vorsichtig zugenickt und eine Frau bittet
die Gruppe an den Kamin, wo die Füchse zu rufen beginnen
Wo seid ihr, rufen sie, die Wälder sind leer ohne euch

 

Sie zu uns

Sie kamen am ersten Tag weit und am zweiten ins Stocken
auf ihrer Fahrt durch den Wald, in Dreierreihe, war es immer Nacht
und sie fuhren den Suchscheinwerfern der Räder nach
die durch die Dunkelheit stürzten und den Weg freilegten
Stück für Stück, Nadeln, Flechten, Baumwurzeln, manchmal
leuchteten Augen auf und verschwanden im Dynamosurren
war es schwer auszumachen, wie weit sie schon waren, wie weit
wollten sie in die Moose und Flechten und wie sehr zu den Tieren
hinter den aufleuchtenden Augen, wie sehr leuchteten ihre Augen
wenn sie geblendet wurden, vom Fuchs, von den Wölfen, den Käuzen
über den Wipfeln zog schon der Schnee, als sie ihn endlich fanden
den Bau mit den anderen, sie schliefen, sie lagen dicht an dicht
und zogen all ihre Kleider aus, bis sie dieselben waren

 

Aus: Ziegel 15 ·  Hamburger Jahrbuch für Literatur 2017 · herausgegeben von Jürgen Abel · Antje Flemming ·Wolfgang Schömel · Dölling und Galitz Verlag Juni 2017

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