Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Vergeblich ist bloß, was man zu tun unterläßt

nach Franz Hodjak

Um dich rotiert die Stadt, ein endloser Autokorso,
die Verrichtungen der Fahrer leer wie die Blicke
und tot wie das Mantra vom auswendig gelernten
Leben, das entlohnt wird mit lebloser Dauer.

Bienen folgen den versprengten Gerüchten der
Blumen, in diesem Freilichtimbiß, der dich an ein
Gewitter in Sibiu erinnert, als du tropfnaß und
bierselig im Gartenlokal der Pension ausharrtest.

Die Schamlosigkeit käuflicher Gespräche über-
wuchert dein Hier und Jetzt; was bleibt dir übrig
als abzuschweifen, du streifst mit dem Kinn die
Robinienäste, die von Blütenduft schwer in den

Nachmittag hängen. Also wartest du ab, bis alles
Mißtrauen verbraucht ist, kippst den letzten Raki
gegen die Kondensstreifen, die heillos den Plan
des Himmels durchkreuzen.

Der Titel zitiert den Schluß des Gedichts Gartenlokal von Franz Hodjak, erschienen in Sehnsucht nach Feigenschnaps. Ausgewählte Gedichte. Edition Neue Texte. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1988, S. 146.

Das Gedicht ist als Poetryletter 188 im Juni 2011 erschienen.

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