Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

ich stell mir vor wir wärn ein wunder
gestrandet auf einem heimatlosen boot
        um einen anfang zu finden
nenn ich uns deukalion und pyrrha, einverstanden?
und wenn wir unsere ganze habe verschenkt hätten
und in den sprachen der menschen redeten
und prophezeien könnten
und wenn wir alle geheimnisse statt koffer bei uns trügen
und darin alle erkenntnisse hätten
mit denen wir berge versetzen könnten
wer würde uns empfangen?
uns an der „lifeline“ an land ziehen
aufnehmen mit „open arms“
isn´t this the dawning of the age of aquarius?
das wassermannzeitalter wirft uns im sturm richtungsseile zu
so lange ist noch kein hafen in sicht
wo unser anker auf grund sinken darf
so lange ist noch kein ufer in reichweite
wo vertäut wird was auf der flucht war
erst dann werden wir die sintflut überlebt haben und am berg parnass leinen werfen
und steine - die alte last - hinter uns
aus denen endlich neue menschen entstehen werden
langmütige, gütige menschen
die sich nicht ereifern, nicht prahlen, nicht aufblähen
die nicht ungehörig handeln, nicht nach ihrem vorteil suchen
die sich nicht zum zorn reizen lassen
sich nicht über das unrecht freuen, sondern an der wahrheit
stell ich mir vor
dass sie alles ertragen, alles hoffen, allem stand
halten
zusammen

 

Vgl.:
Das Hohelied der Liebe, 1.Korinther 13
Aquarius, Hair 1968

***

me imagino que éramos un milagro
varados en un barco apátrida
para encontrar un principio
nos llamaríamos deucalión y pirra, ¿de acuerdo?
y me imagino que repartiríamos todos nuestros bienes
y hablaríamos las lenguas de los ángeles y de los hombres
y tendríamos el don de profécia
y en vez de maletas poseíamos todos los misterios
 y con ellos todos los conocimientos
como para mover montañas
quién nos acogería así?
quien nos llevaría a la ‚lifeline‘ de la orilla
quién nos recibiría con ‚open arms‘
isn´t this the dawning of the age of aquarius?
la era de Acuario nos arroja durante la tempestad unas cuerdas de orientación
hasta tanto no haya puerto a la vista
donde podamos echar nuestras anclas
donde finalmente haya una orilla al alcance
donde amarrar lo que trajo la huida
recién entonces habremos sobrevivido al diluvio
y arrojaremos nuestros cabos al parnaso
como arrojaremos las piedras – nuestro viejo lastre - tras de nosotros
y de estas piedras renacerán nuevos seres humanos
seres pacientes y serviciales
que no saben nada de envidias, de presunciones, ni de orgullos
que no son groseros, egoístas
que no se irritan
que no se alegran con la injusticia
se alegren en la verdad
me imagino
que estos nuevos seres humanos
resistirán sin límites creerán sin límites tolerarán sin límites
juntos

Übersetzt von Esther Andradi

 

Lyrisches Antwort auf die Verhaftung der Kapitänin Rackete. Kathrin Schadt liest das Gedicht außerdem auf der internationalen Poesieveranstaltung "poesia sin censura" gegen Rassismus und Ausgrenzung. Diesen Samstag, 6. Juli, 17 Uhr, im Kulturzentrum "Metropolità" in Barcelona. Unter anderen mit Rosy Suñé und Marlene Denis Valle, Alma y Diana Reza."

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