Text des Tages

Höhlengleichnis

ich schrubb die Arbeitsflächen, Ecken, Tisch mit Schwung,
der uns bebusten Sorgern innewohnt,
durch die Wand bei Nachbars läuft für immer jung,
ich wische Krumen, Schalen, Schimmel weg, erschreck
auf einmal, frage mich
beim Lappen spüln, ist, was ich hör, Erinnerung
oder eine echte Menschenstimme aus dem Nebenraum,
eines meiner Babys?, wie lang her,
dass ich sie jetzt hätt angelegt, und hör seither
nie mehr zu füttern auf, höre nicht auf
zu lieben, lauschen, sie durch Irrgänge und Herrschaftsform,
in denen ich mich dauernd selbst verlauf, zu lotsen,
weiter zu verstehen zu versuchen, zu beschützen,
und dann sind sie schon wieder aus etwas herausgewachsen,
aus den abgewetzten Hosen, Träumen, Schuhen,
den maroden Schulen, Diagnosen,
was dringt denn jetzt durch alle Ritzen stampfend in mein Ohr:
Unterschichtenrap aus dem Amphetaminlabor,
ja bin ich denn nur
eine Loser-Figur, zwischen Rätseln und Geräten und wisch
in meiner lausigen Behausung, ehe die da oben mir
das Licht abdrehn, Reste vom Tisch.

unveröffentlicht, Band erscheint bei Edition Azur / Voland & Quist

 

 

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