Fixpoetry

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Text des Tages

Zum Geburtstag von Dezső Tandori

 

Dezső Tandori

 

Pflanzer

gelenkig und warm hart und kalt
in jeder körperhaltung gelangen
wir fühlerlos voran was unnötig
reißt ab durch wasser und stein
unter erde über erde rastlos
in die materie dazwischen greifen
aus uns selbst gießen („wer pflanzt, wurzelt“)
um unsre rasen zu verschönern

zwischen zahnrillen steckende gräser
am schmelz kratzt der kiesel beim schlucken
wir zählen alle unsere zähne
legen die münze beiseite damit es reicht
unter die augen unter die zunge wenn wir hinübergehen
wenn sie uns holen kommen die fuhrleute fährmann fährmann
sag wo setzt du mich ab wie weit fahren wir
auf holzplatten legen wir unsere haut
an holzpfählen spannen wir sie in den Wind
das wasser schlägt empor unser haar hält es ab

rückwärts – richten – rückwärts
fährmann fährmann was singst du
bis wir ankommen setze ich dir
den satz aus mosaikteilchen zusammen
„Siehst du, die draußen essen das Gras, so eine Gegend ist das.
Oder ich weiß gar nicht. Wo ist das Leben.“
sag mir wie lange sollen wir pflanzen
uns mit erde vollstopfen
ob wohl neu sprießt was unser vater gefällt hat
ob sich Elias wohl wieder auf das klavier setzt
das wir mit den tieren dem stimmer
und den frauen gebaut haben
wir wollen die glocken erklingen lassen
den fabrikdampf durch die pfeifen treiben
du sahst die felder ich drückte die maiskolben
sie verletzten meine hände auch als kind
ihr bart verletzte sie auch in der ferne
schmecken die blätter bitter
geraucht von indianerfrauen
gras stecken sie zwischen die zähne gras in die haare
drehen es in ihr Haar damit schreiben sie

rückwärts – richten – rückwärts

alles eine umrisslinie grasknäuel essen
die papageien damit bindet man die pferde an den baum
die vögel füttern die sieben vogelbauer offen lassen
weich und luftig polstern
mindestens 20 grad sollen es sein
das gras kühl der käfig warm
im schnabel vieler sollen sie platz finden
die guten körner

weich empfängt uns der garten, wir hacken ohne unterlass, bestellen uns selbst die beete, schlagen uns in handschuhen mit eigener erde, bereiten unser bodenvolumen, weichen sie auf und werden härter, die luft trennt sich von unserer rinde, unsere nässe begießt die unter unserer last liegende erde, wir werfen die schollen aufeinander, auf den haufen geben wir widerworte, dann düngen wir still weiter mit uns selbst, wir sind der nährstoff, die reife, die ankunft. erreichen wir die perfekte annehmbarkeit, springen wir als reife kapseln auf, überall umrahmt von erde, aus unseren mineralien entsteht ein neonautilus. wir häuten uns, unser Tag wird im bad glasklar.

 

Aus dem Ungarischen von Eva Zador

 

Erstveröffentlicht: HuBook, Ungarisches Literaturnetzwerk im Dezember 2018

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