Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

angenommen, das alles passiert und wir schauen es bloß an. unser alltag wird kino, nur aus dem saal kommen wir nicht mehr raus. dafür ist er jetzt etwas größer und umfasst auch eine Kochgelegenheit; prinzipiell verändert die lage sich kaum. was neu ist: die phasen des zweifelns. es kommt vor, dass wir sämtliche abschürfungen auf der haut des puddings im kühlschrank dokumentieren und denken, das sei keine wichtige aufgabe. dass wir unsere arme festhalten wie anfänger einen regenschirm. dabei wissen wir doch, der traum vom fliegen impliziert die fähigkeit, loszulassen: entspanntes abwarten wäre die haltung der wahl. ist es das, was man uns sagen will? wir möchten nicht drängeln, aber unser interesse an diesem film nimmt ab.

Aus: Invasion rückwärts, Verlagshaus J. Frank, Berlin 2014
Wir bedanken uns bei Andrea Schmidt vom Verlagshaus J. Frank für die Kooperation
Dresdner Lyrikpreis 2014

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