Fixpoetry

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Text des Tages

fisimatenten

er sagte immer, manchmal einmal die woche, manchmal am tag vier- fünfmal, manchmal wochenlang nicht, tagelang konnte er vergessen, was er immer zu sagen pflegte, wenn ihm etwas nicht passte, sagte er: es wird eine zeit kommen. dabei gestikulierte er mit der rechten hand. der erhobene zeigefinger war die drohende unterstützung seines satzes.

es konnte ein teller sein, der nicht leer gegessen wurde. hartes brot weichte er ein, einem angefaulten apfel zeigte er das messer. mir den erhobenen finger.

dann kam die zeit, als er milder wurde, hartes brot nicht mehr essen konnte und auch keinen apfel, nur noch brei und die finger steif wie der tod.

ich dachte, dass der satz mit ihm begraben werden würde. im gegensatz zu ihm blieb dieser satz bei mir. wie eine harte rinde. wenn ich einen angefaulten oder verwurmten apfel in der hand halte, wegwerfen will, liegt ganz bestimmt ein messer in meiner nähe. in mir drin ist irgendwo eine undichte stelle, eine überflüssige wasseransammlung (wahrscheinlich im herzbeutel). dort weiche ich den satz ein.

so ist das. nicht anders. genau so ändern sich gepflogenheiten, indem sie bleiben. was man nicht für möglich hält, bleibt gewohnheit. vaters satz hat überlebt. er wohnt jetzt bei mir. anfänglich dachte ich, diesem untermieter eines tages zu künden, ihn vors haus zu stellen. aber so geht man mit vaters erbe nicht um. schliesslich tat ich das auch nicht mit seiner uhr. mein handgelenk ist stolz auf die zeit aus seiner zeit. manchmal geht sie falsch die uhr und wie der satz immer und immer wieder kommt, geht die uhr in einer falschen zeit.

der satz wohnt also immer noch bei mir. neulich, als ich ihn gebrauchte, laut und deutlich sagte, es wird eine zeit kommen, sagte das angesprochene kind zu mir: du lebst wohl noch im letzten jahrhundert und warf den verwurmten apfel, trotz des sackmessers in meiner hand, ins wasser. ich schaute auf die uhr, dann dem kind in die augen, riss die hand und den zeigefinger in nachgeahmter gestikulation in die höhe und dann: zuerst lachte der untermieter in mir über die schöne aussicht, bleiben zu dürfen und dann aber lachte ich mit dem kind über ihn, was ihn sehr verstörte.

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