Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Aschersleben

er ist mir aus dem schuh gefallen
da war der weg endlich am schönsten.

manch wanderer mag sich wundern
riecht er doch nach majoran. mein fuß

hätt's auch lieber würd's wie unterm arm
nach moos duften, nach gärten, denn

kaum leg ich sie hoch, die füße, kommen
pärchen, sich auf zehenspitzen küssen.

du dingelchen, du stein, ich bin so froh
dich los zu sein. bei hitze riebst du dich

gemein ganz speckig zwischen lederhaut
und lederhaut - und mich ganz wund. und

bei gewitter wardst du weich, so weich, dass
man eine möhre hineinstecken konnte

bis zum grün. ach der gewaltig zürnende lag
besänftigt da am fluß, den man die eine nennt

keinen schritt konnt er noch tun. die weg-
marke, dahinter noch so manches stück.

er ist mir aus dem schuh gefallen
denkt er, der mir so hat gedrückt.

 

Aus: der BELLA Triste 40. Zeitschrift für junge Literatur. Hildesheim, Herbst 2014.

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