Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Lebenslauf

Für beinah alles hab ich mich geschämt.
Hals, Haar, Handschrift und für meinen Namen,

den Ranzen, den mir meine Mutter gab,
meinen Vater, der sich in einen Blazer zwängte,

das Haus, wo ich zu Freundschaft danke sagte.
Doch jetzt, da mein Vater an fünf Schläuchen hängt,

sein Mund stets heiserer von Abschied spricht,
jetzt hockt meine Scham in einer Ecke. Er starb

so wie er seinen Opel fuhr: beherrscht,
korrekt, die Augen tapfer auf der Straße.

Kein Bock auf nutzloses Gekloppe mit dem Tod.
Wie alles, was ich noch zu sagen hatte,

unter den Rädern der Zeit zerstob.

 

Übersetzt aus dem Niederländischen von Gregor Seferens
Das Gedicht erschien in dem Band Im Sommer stinken alle Städte in der parasitenpresse 2016

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