Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Hartes Wasser

Nach dem Desserttraum weinen Nieren Steine, unmystisch fern von
Osterinseln, wie im Albtraum zerbricht die Herzblume, der man das
Porzellan gar nicht angesehen hat. Kalk wusste Spuren im Kelch zu
ziehen, die mein Mund aus Scherben liest, wenn sonst niemand
mehr mit Zähnen trinkt, Pinsel in Lippenbögen ein neues Bild erschweigen.
Tage klingen noch nach Mensch. Das Leben hören, wenig
verstehen, humorlos zum Schießen sein, Kanonenspatzen
um uns herum. Jemand kommt von ungefähr. Flammt an beiden
Enden. Kerzenmenschen – doppelt vom Aussterben bedroht.

Schwarzer Kreis, Neumond und Altlast. Entwurzelte Leute
und Bäume überholen uns. Hier im Sturmwind, alle Argumente
haltlos. Auch Finsternis reist mit Lichtgeschwindigkeit. Über die
Nulllinie taumeln, Zielwasser. Ausgelesene Gesichts-Bücher.
Und wenn sie nicht …

Neue Zeiten wie Messer, Luft zum Schneiden. Und hier noch
das Kunstunwetter: Wolkenbruch in Gips. Frieden als Utopie.
Liebesleiter hinauf zu ihm, doch Wartezeiten. Mut zum Wort
unterm Messer. Zittern nur noch Espen erlaubt. Welker
Rittersporn, kaum Lanzelot.

Asche tanzt durch einsam winkende Hände. Makabres Fleischorigami
in weltfremden Kriegen, immerfort, Liebkind mein, immer fort sein. Steine
unbekannter Herkunft in Körpern, innere Kinder weinen nicht, traumtrunken
schmieden Schläfer unbeugsame Zellen. Arme Haut wird Milch, fett genug
zum Brennen, Feuer im Frühstück. Ich kann tagträumen wie im Schlaf. So gut.

Öl gepresst aus kalten Schulterblättern. Innere Kinder, ein tieferer Chor,
Wetterleuchten im Marianengraben. Ausgetrunken, der Traum für den Tag.
Tiere und innere Kinder weinen nicht nach außen hin.

Verlorene Zeit in Gegenwart, der Mond scheint sonnenhungrig.
                                                                                         Ligusterschwärmer.
Erinnerte Hüften, in Memphis geblieben. Hounddog und Ladybird.
Am Berg auf dem Teller ausgebissene Zähne. Hard Rock. Tiefer gestimmt.
                                                                                                                               Klangperlen
hinter den Meeresspiegeln. Vor Lebensdurst aufgedrehter
Wundwasserhahn.

Denk doch: Hartes Wasser einfach erweichen. Das Leben, ein Windspiel.
Aufatmen.

 

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