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Transkript

Little Joan

für Joan Mitchell
                                         „Wenn du nur französisch wärst, männlich und tot…“

sie geht sie sieht sie trinkt sie malt
musik
trägt auf und strichelt
schwingt über die leinwand
beidhändig breitspurig
überdeckt und macht unsichtbar
verkleistert und verklumpt
kratzt das leben aus den farben
das gefühl einer landschaft
träufelt drippelt kalligraphiert
bis es schnurrt und fliegt
wirbelt und kreist
vibriert und strudelt
die farben sind zeichen
und füge sich zu wörtern
Little Joan lässt sie klingen dröhnen
dass alle kritikerworte verstummen
dass sie sich spürt und nichts
liebt als das malen und hört
und trinkt und gibt dem hund
wasser blau ist der himmel
blau ist der fluss blau ist Lake Michigan
blau ist das licht

Joan Michell, geb. 1926 in Chicago, gestorben 1992 in Paris, abstrakte Expressionistin. Die Malerin spricht von sich als „Big Joan“, ihrem großen Ego, das herausgeht, kämpft, reist und „Little Joan“, die Malende, beschützt.

 

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Wir haben Lyrikerinnen nach ihrer Handschrift gefragt und zeigen Ihnen in den nächsten Wochen Von Frauenhand mit links oder rechts geschriebene Texte, Gedichte, Memos zur Arbeit, Kritzeleien, Illustrationen und vieles mehr. Das wird heiter bis wolkig, ernst, unleserlich, handgreiflich, schönschriftlich, bissig,  und -  vor allen Dingen besonders. Vielen Dank allen Teilnehmerinnen.

 

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