Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

lady day

und nach dem mond greifen will jeder teil von dir
für einen moment vielleicht unverletzbar doch
auch des nachts bleibt keine zeit für träume
unentwegt der missbrauch und auf distanz
die weißen gehässigen blicke
früh streckst du die stimme der ganzen länge nach
aus der gewalt bezeugst kraftvoll
und schattengleich dein wissen um den tod
der um die ecke lauert einzig treuer begleiter
gegen den du abends die weiße gardenie
ins haar steckst lieder ohne schlupfwinkel
oder nischen voll hingabe zum sieden bringst
lyrische synkopen phrasieren das wenig sichtbare
leid aus dem du legenden rankst denn vom sumpf
verhängnis kannst du niemandem erzählen
das eingeprägt in knorpel knochen jeden einzelnen muskel
deine lautfolgen fiedert die sich aus dir sinnen
mit ihren ausladenden flügeln im saal hängen bleiben
als silhou silhou silhouetten noch eine weile nachschwingen
draußen dann niemand oder wieder nur ein arsch
egal welcher im bodenlosen morast deiner geschichten
aus denen abend für abend das fest der stimme sich hebt
ach immer öfter driftet sie ab stromert zu viele schritte
zurück in die einen oder anderen außengebiete
die beinahe prächtig ineinander übergehen
dich nach dem jubel im scheinwerferglanz
in modernde zwischenräume führen eines drogenlabyrinths
das dir leber und stimmlippen morscht

 

Billie Holiday (Eleanora Fagan): geb. 7.4.1915; gest. 17.7.1959; amerikanische Sängerin: Jazz, Blues, Balladen.

aus: „hochgestimmt“, Gedichte, Elif Verlag 2019

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