Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Transkript

Stillleben

#1
Vielleicht lassen sich die Tage zusammen-
fassen, in einer Überschrift, einer Erinnerung, gleich
dem neuen Namen über der Pforte: Als hätte das Haus
sich selbst vergessen. Gestern Nacht ging ich noch einmal
im Traum durch jeden Flur, öffnete Türen, Jahre-
lang Verschlossenes: Holz und Herz
arbeiteten hörbar.

#2
In der Großküche arbeitet inzwischen
Niemand mehr. Ich hatte nie an ein Stillleben
geglaubt – Lärm setzt sich fest               
in zerkratzten Oberflächen. Als wäre dieser Ort
eine Ruine, hängen Stimmen und Gesichter
über den Tischen; Geister, überheblich
wie einst die Kronleuchter.

#3
Kein Raum könnte nun stiller sein,
als dieses Foyer: Der Flügel schweigt
und durch die Fenster fällt Staub, Licht,
Staub: Eine Andeutung, dass Spuren
bleiben, wo gesungen, gespielt, gewischt wird.

***

Wir haben Lyrikerinnen nach ihrer Handschrift gefragt und zeigen Ihnen in den nächsten Wochen Von Frauenhand mit links oder rechts geschriebene Texte, Gedichte, Memos zur Arbeit, Kritzeleien, Illustrationen und vieles mehr. Das wird heiter bis wolkig, ernst, unleserlich, handgreiflich, schönschriftlich, bissig,  und -  vor allen Dingen besonders. Vielen Dank allen Teilnehmerinnen.  Die 1. Runde Von Frauenhand finden Sie in der Rubrik Text des Tages April 2018.

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