Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

"La tua eco"

niemand berichtet vom anfang der reise,
der erste ton; ein schrei, ein zurück wollen,
um betäubt in den weinen zu schaukeln.

unsere knochen wachsen amphibisch zum himmel
während die füße nach sprachen suchen in vicoli

unsere augen leuchten durch glas, durch fenster
& der atem beschlägt
die deckenmalerei in der citta di fiori

fühlst du nicht, wie unsere haut aufplatzt und blumen daraus sprießen - florentiner lilien!

von jedem tag bleibt ein Abend,
ein gesicht, vielleicht ein name
unter den ziegeln der heiligen Kuppel hängen
uns zieht die nacht zu boden
& in den händen schwitzt ein neues meer
atmet ein um den mond zu verschlingen.

später dann,
herrscht dunkel in der lichtfackel der weine,
um als mensch zu enden,
als gott oder gefühl neugeboren zu werden unter anthraziten.

lass apoll deinen namen buchstabieren,
während die ufer versteinern.
unsere entzündeten lider zerteilen den himmel.

was, wenn wir immer früher zurückkehren
zu dem ausblick der fenster unserer kindheit,
ohne uns zu erinnern,
während wir mit den wassern zerfließen
in diese fremden meere hinein,
die wir hoffnung & liebe taufen.

wenn das salz zwischen den schläfen die träume konserviert,
werden wir neu entstehen.
selbst in der zeit liegt ein verlangen zu enden, neu zu beginnen, mit der last unserer knochen unter herbsthieroglyphen

eines tages
werden wir gemeinsam rückwärtslaufen
zu den flüssen, die uns verbinden und neu entstehen lassen
& steine werden unsere namen in den sand flüstern,
bis das wasser sich aufwühlt
& alles fortschwemmt

& wenn ufer uns trennen,
werd ich dein echo sein.

Aus: Das Echo des Weines, Rhein-Mosel Verlag 2017

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