Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

Zeit der Vögel

I
Die Entfernung zu bemessen,
in der entsteht, ein Vermissen
aus der Kernwelt; inneres Land

ich buchstabiere den Schwalben
deinen Namen, befehle im Diktat
das Apostroph vergessend,
Ihre Flugroute nach Vèrona.
Vielleicht tragen sie im Federkleid,
verwaiste Küsse, oder ihr Duft
ist der Duft meines Nackens,
aus Abenden gepflückten Weines,
als präemptiv ahnungsvoller Existenz

die sagbare Welt ist zu wenig,
mein Konvolut an Poesie
nur Ausdruck seelischer Zerrissenheit
zwischen der Reinformrhetorik
konformerer Anbeter deiner Iris.

Ich fluchte so oft
in die Augen einer Hündin,
die sang in der Nacht, von dir,
in taumelnden Straßen das
Lied vom Vergessen, wie man
es hört, wenn der Tag
ein Ohr zerreißt oder archiviert,
zwischen dem Lärm der scheinbar
Glücklichen …

so scheinbar glücklich/unglücklich,
wie das Reh verblutet auf moosbedeckter
Heimat, der Kolben noch gewärmt,
die Schwarzpulverschleife am Hals,
atmet tief das Auge,
die letzte Landschaft.

so werden wir nicht sein - niemals!
ich kann sagen & beten,
den Labyrinthen eine Symphonie vom
Dämmerungswahn, Gestirnblitze, wo Lider
aufschlagen, das Unbenennbare zu erreichen,
mit einer Skizze deines schwindenden Schattens.

Ich kann sagen, das Herz ist ein Muskel
voll Sehnsucht gepumpt,
oder schieß die Tauben vom Dach,
bevor sie fliehen,
oder deine Stimme hallt nach,
in Fluren & Licht verbrannter Haustüren,
oder wenn wir uns sehen, ist der Lärm
in mir, Musik.

II
& zwischen den Stirnen, wachsen neue Kontinente, Zweistromländer,
die Ausläufer kilometerweiter Windung,
kaum zu unterscheiden,
Wasser in Wasser gemündet,
paraphiert uns  der Mond,
im gezeitenklang - elegisch,
ist jedes Wollen, in Besitz verkleidete Angst.

So lass ziehen, die Zugvögel weißen Lichts!

aber dein Haar,
es brandet in den Locken der See
immer dann, wenn ich denke,
genug vom August mit dir geteilt zu haben,
um Bilanz zu ziehen - analytischer Art
etwas wie: ich kenne die geheimen Verstecke,
in dir, Orte apfelblütenweiß gesäumt,
deine Kinderaugen kippen an der Kante der Nacht hinunter - flüster leise dein
schwarzes Wort zu mir ….

oder,
hier ist alles was ich zu sagen habe,
in der septischen Fäule eines Septembers:
sei quello che sei e questo è meraviglioso

III
konkreter zu werden
ist mir fremd,
ich schenkte dir ein Trieb
als Gefühl - in Relation
die Rebe zum Wein
(was hat das zu bedeuten?)

& denke an die Perlen,
die ich dachte zu pflücken,
aus deinen Lippentälern
(doch sie pflückten mich,
rücksichtslos aus dem Eifer)
wie einen Nachgeborenen
Neptuns, der in Wüsten
tanzte & starb,
um als Gefühl wiedergeboren
zu werden, in Partikeln
Sein Staccato vergessend,
zwischen den Beinen,
um den Wissenden
eine Chance zu geben,
noch ungesagtes zu benennen
oder für immer zu tanzen …

/so schön - das Chaos in uns
& außen, die Welt/

deine Weisheit mit gerolltem "r"
auf den Parkbänken der Stadt,
oder deine Zukunft, in Buchstaben
diktiert, einem Vogel, der dich findet,
an einer Küste liegend, weit weg von mir,
dem ich sagte, er solle dich küssen, zärtlich,
auf den Bauchnabel, wie ich es tat.
damit du weißt, er stammt aus meiner Feder,
ist ein Zugeflogener, ein Überlebender des
Zerfalls hinter meiner Stirn

& vielleicht schenkst du ihm ein Lächeln
& lässt ihn ziehen,
wie einen Traum in den Sand der Wolken,
die zwischen uns hängen,
wie Verworrenes oder Gitter,
Stäbe vom anderen Ende der Moral.
Opium des Freien. selbstdiktiert.

III
doch ich gab etwas frei,
die Klarheit phosphoreszierend
an den Schläfen der Entsagung.
Ich meine, dich zu verlieren -
es bedeutet vieles…
aber nicht alles, was ich zu sagen habe,
beginnt mit dir.
Ich meine, der Wutdrang,
die Welt zu ändern, zu Mindestens
im Paragraphen,
oder einer Familie eine Chance zu schenken,
zumindest als Idee,
ist es doch wert - alles wert!
die Dogmen meiner Geburt, das Rebenland,
die Revolution aktionistischer Tage,
als ich selbst ein Prolet war (in deinem Sinne)
& Steine warf, gegen das gefrorene Meer
übriggebliebener Soldaten.
Bis Serotonin aus der Vernunft tropfte
& mich jagte im Gewissen,
um als Anekdote zu verweilen,
von Feldzügen & Fehlern
gewaltigen Widerstandes.

der Drang ist nie gewichen,
ich kämpfe noch immer, in Worten,
gegen die ungemachten Betten der Moral,
bleibe ein betrunkener Anbeter der
Schicksalsstürme,
solange, bis ich dich traf
in diesem August
& die Sommernachtssommeliere
mir etwas ausschenkten, dass nach
bereuen schmeckte, etwas wie
eine ungeborene Nacht,
ein Wort auf der  Zunge vielleicht,
eine Rothaut an den Mahnmählern der Wälder,
wo ich einst zum Moose wurde,
abgewandt der Zivilisation
- doch nun bist du,
der immerwährenden Flucht, Widerstand.

IV
Es ist was es ist
würde Fried jetzt sagen.
Aber zu welcher Zeit  ist es,
richtig oder falsch?
Das alles hat einen Sinn,
den ich mit Worten nicht fassen kann,
aber ich sehe ihn, feinschattiert,
transparentes Flanell, wie die Welt in deinen wissenden Augen,
oder der feuchte Kellerlochschmerz in mir…

Eine Dame aus Florenz,
schrieb mir einmal:
deine Wunden nässen im Wind
verkünden den Regen …

 
& hier stehe ich nun,
mein Herz in der Waagschale
deiner Haustür - öffnete ich die Kammern
zu schnell, um Wahrheit & Glühen
darin zu definieren, für dich.

aber alles was ich bin,
bin ich jetzt & immer
tat tvam asi
in Keilschrift mesopotamisch kodiert,
wie Tau der wachsen lässt,
den Morgen im Licht.

vielleicht ist es besser so,
dass mein Blut schon den
Kupfer der Gitter schmeckt
& ich jedes Mal versage,
dir nur ein Freund zu sein,
wenn der Wein glühend in uns aufsteigt
zum ersten/letzten Tanz.

Ich will nur sagen,
gerade ist nicht Die Zeit der Liebe,
es wird niemals erträglich sein,
wenn Stahl Sehnsucht zerschneidet
& ich gebe die Unbestimmbarkeit
der Gefühle, in das Vielleicht einer geschichtlichen Deutung ...

aber jetzt, ist nicht Die Zeit der Liebe,
es ist Die Zeit der Vögel,
denen ich deinen Namen buchstabiere,
immer & immer-wieder,
um dich still zu lieben,
in der Art, wie ich es gelernt habe,
durch Gedichte.

Es ist nicht die Zeit der Liebe,
eine Dekade zu früh,
aber vielleicht, in deinen, meinen,
unsren - zehn zerrissenen Jahren.

Jetzt ist Die Zeit der Vögel.

 

 

Mehr Bilder und Texte