Text des Tages

… und eure Kleider wurden dunkel,
als ich wieder Sterne sah.
Nur meine Augen wuchsen weiter
in die Nacht, und meine Füße:
Flossen, die das Wasser erschreckten.
Schwimmen heißt auch: das Meer
unter sich spalten, so blau
zu denken wie ein Fisch.
Ich weiß, dass ich unter demselben Himmel
leide wie ihr,
aber manchmal denke ich,
dass das Blau meiner Kindheit
schon immer verloren war
und auch der Wunsch nach
stillen Geräuschen erfüllte sich nie.
Mein erster Gedanke galt daher:
den küssenden Katzen, dem müden Mond.
Abschied heißt heute: zu warten,
bis es eine Richtung gibt.
Denn auch die Steine der Mauern
sagen nichts
über die Mauern,
und auch das Haus schweigt
sich lieber über seine Bewohner aus.
Ich würde gerne alles widerrufen,
was noch von Bedeutung wäre,
aber ich befürchte,
ich gleiche allen
Frauen und
Männern zu
irgendeiner Zeit.

Erschienen in Versnetze_elf, herausgegeben von Axel Kusch, Ralf Liebe Verlag 2018

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