Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Text des Tages

die Übersetzerin als elende Verräterin

wenn ich den Baum arbre nenne
fühlt sich der Baum verraten.
Wenn ich den Baum tree nenne
fühlt er sich verraten
der Baum fühlt sich verraten
wenn ich ihn
träd
àrvore
árbol
albero
puu
nenne, wenn ich den Baum
Baum nenne, fühlt er sich verraten.
Ich habe mich ver-raten
ich habe mich im Sinn verirrt
ich habe mich vertan.
Tut mir leid, Baum!
Ich erfinde dir einen Namen!
Ich fahnde, grabe, grüble, schürfe,
stöbere, stöhne, orte Worte
kaudere, zaudere
verpeile mich verfranse mich
verdenke mich verliere mich
ich dechiffriere defrichiere
fourragiere farfouillere furetiere, kurz:
ich debrouilliere mich, doch:
Nom d’un tronc!
Der Baum fühlt sich verraten
der Baum fühlt sich immer verraten.
Da kann ich Bäume versetzen!
Mich zwischen Baum und Birke
setzen! Dem Baum bleib ich
ein falscher Freund, den Baum
kann ich vor lauter Wald
nicht sehen, des Baumes
Kenntnis hilft mir beim Erkennen
nicht, der Baum fühlt sich
in jedem Fall
verraten

bisher unveröffentlicht

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